Hier die wunderbaren HORTUS-NETZWERK-MINI-TIPPS von Daniel Jakumeit aus den Hortus-Netzwerk.

Absolut auf den Punkt gebracht und allesamt unbedigt nachmachenswert!

Die Blumenwiese

Sie ist bei uns schon fast verschwunden: Die Blumenwiese von früher ist heute eine Turbograsmonokultur. Ein erster Schnitt weit vor dem 1. Mai, sowie Unmengen an Kunstdünger und Gülle vernichten nahezu jede Möglichkeit für Insekten oder andere Tiere hier noch Nahrung, Schutz oder Lebensraum zu finden.

 

Ein Stück Natur zurückholen:

Direkt neben dem Natur.Garten.Helbig. konnte ich im Zwischennutz ein als Bauplatz vorgesehenes Stück Land vor vier Jahren ansäen. Jetzt gibt es wieder Bläulinge, die Goldene Acht und viele Wildbienen. Auch wenn es nur ein Paradies auf Zeit ist, es war die Mühe allemal wert!

Und hier die Entwicklung in den ersten drei Jahren im Zeitraffer:


...und dann gibt es hier auch nach und nach noch einige Auszüge aus Artikeln der der Verbandszeitschrift VOGELSCHUTZ des Landesbank für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV), die ich in der Vergangenheit veröffentlicht habe.

Vielleicht ist die eine oder andere Anregung für Euch dabei...

Ein Platz für Krabbelviecher

Die Strukturarmut in den Fluren spiegelt sich vielerorts in den Gärten wieder: Rasen-Monokulturen, Einheitshecken und vermeintlich „pflegeleichte“ Schotterbeete bestimmen in vielen Siedlungen das Bild. Doch nicht nur in der freien Landschaft, auch in unseren Gärten können wir etwas gegen das Verschwinden der Krabbeltiere tun: Strukturreichtum ist hier wie dort das Zauberwort.

Im Garten können viele Lebensräume auf engstem Raum verwirklicht werden. Das ist nicht nur spannend anzusehen, sondern bietet vielen Insekten eine echte Arche, wenn der Mensch sie willkommen heißt und auf Chemie und unnatürliche Ordnung - z.B. durch den Laubsauger im Herbst - verzichtet.

 

Die richtigen Pflanzen

Von größter Bedeutung ist die Pflanzenauswahl. Gefragt sind heimische und ungefüllte, reich blühende Arten mit einem ein kontinuierlichen Blütenangebot von Anfang März bis Ende Oktober. Doch nicht nur Pollen und Nektar, auch Blattgrün ist ein wichtiger Nahrungsfaktor in der Entwicklung vieler Insekten. So fehlt es vielerorts an geeigneten Raupenfutterpflanzen für Schmetterlinge.

Die Brennnessel als Futterpflanze unserer bekanntesten Tagfalter, wie Tagpfauenauge, kleiner Fuchs oder C-Falter ist da sicher ein guter Anfang. Eine Salweide im Garten bietet vielen Arten, z.B. Großem Fuchs, Trauermantel oder Abendpfauenauge  

Raupennahrung und zusätzlich wertvollen Pollen für die Bienen. Der eher selten gepflanzte Faulbaum (Frangula alnus) ist gut für eine naturnahe Hecke geeignet und beliebt bei Zitronenfalter und Faulbaumbläuling.

Bei verschiedenen Bläulingen, aber auch Dickkopffaltern und Widderchen ebenfalls äußerst beliebt ist der gelb blühende gemeine Hornklee, den man in Wiesen oder auch Staudenbeeten pflanzen kann. Wiesenschaumkraut wird vom Aurorafalter zur Eiablage bevorzugt, während der Schwalbenschwanz Doldenblüter wie die wilde Möhre, aber auch Kulturpflanzen wie Dill oder Petersilie aufsucht.

 

Gebaute Lebensräume – „Sandarium“ und „Käferkeller“

 Viele Naturfreunde haben sich schon am Bau eines „Wildbienenhotels“ versucht dabei bieten diese nur rund 30 der weit über 500 Arten einen Platz für die Brut. Rund drei Viertel aller Wildbienen nisten im Boden, viele davon benötigen unbewachsene Sandflächen zur Anlage ihrer Brutgänge. Ihnen kann man mit der Gestaltung eines „Sandariums“ Lebensraum schaffen:

Auf einer gut besonnten, trockenen Fläche von mindesten 50 x 50 cm - besser größer – wird eine ca. 50 cm tiefe Mulde ausgehoben. Diese wird mit Sand gefüllt. Obenauf darf auch gerne ein Haufen liegen, den man sehr gut mit Natursteinen einfassen kann. Der Sand darf nicht zu fein sein, damit die Brutgänge später nicht einstürzen. Man kann auch etwas unkrautfreie Erde aus dem Aushub darunter mischen. Mit Totholz, Steinen und einzelnen Pflanzen, wie z.B. der Sandgrasnelke am Rand lässt sich das Sandarium attraktiv gestalten. Auch Eidechsen sonnen sich hier gerne.

Unerwünschter, zu dichter Bewuchs muss regelmäßig entfernt werden.

 

An einem eher schattigen Standort, z.B. an einer Hecke lässt sich ein „Käferkeller“ einrichten: eine frostfreie Mulde mit ca. 80 cm Tiefe wird mit Totholz in verschiedenen Stärken, etwas Laub und evtl. einigen Steinen gefüllt und ggf. mit stehendem Totholz und Steinen attraktiv gestaltet. Hier finden Käfer, die für ihre Entwicklung verrottendes Totholz benötigen ideale Bedingungen, aber auch weitere Bewohner, wie z.B. Erdkröten finden sich hier gerne ein. 

Weniger aufwändig, aber ebenfalls wertvoll sind jegliche Arten von dauerhaften Totholz- oder Reisigstrukturen, sowie Laub - egal ob als Haufen oder Benjeshecke angelegt.

 

Je abwechslungsreicher die Gartengestaltung, desto mehr Arten finden hier eine Heimat.

 


Totholz- ein Ort voller Leben

Ob als Versteck für Igel und Erdkröten oder Brutstätte für Käfer - mit abgestorbenem Holz, Wurzeln und Astschnitt schaffen Sie wertvolle Lebensräume im Garten.

 

Überall wird abgestorbenes Holz umgehend entfernt und „aufgeräumt". Doch für den Igel, tausende von Insekten und andere wirbellose Tiere, für Pilze, Flechten, Moose und Algen ist Totholz Lebensraum und Nahrungsquelle zugleich. Aufgrund der forstlichen Intensivnutzung ist Totholz in unseren Wäldern vielerorts selten geworden.

Viele Lebewesen, die auf Totholz als Lebensraum angewiesen sind, sind vom Aussterben bedroht. So leben in Deutschland etwa 6000 Käferarten. Rund 1350 leben in Holz, viele davon benötigen für ihre Entwicklung bereits abgestorbene Bäume und Material, das von Bakterien und Pilzen bereits in seine Bestandteile zersetzt wird. Zumindest einige davon können wir in unseren Gärten heimisch machen.

Neben Insekten und Pilzen finden auch viele Vögel, Kröten, Eidechsen oder auch Blindschleichen im undurchdringlichen Dickicht eines Totholzgartens Schutz, aber auch reichlich Nahrung in der beim natürlichen Abbau des Holzes entstehenden Mulmschicht.

Auch der Igel nutzt gerne dichte Asthaufen oder hohle Baumstämme als Schlaf- und Winterquartier und geht hier auf Nahrungssuche.

Die Insekten nutzen Holz zwar vorwiegend im Larvenstadium als Nahrungsquelle. Totholz spielt für sie aber auch als Wohnraum eine wichtige Rolle. Dies ist außer bei Käfern zum Beispiel bei verschiedenen Ameisenarten oder Wildbienen der Fall, die ihre Gänge im Holz anlegen. In ihren verschiedenen Entwicklungsstadien sind sie ein Leckerbissen für Igel, Amphibien und Reptilien, aber auch für Vögel wie die Amsel, die man im Garten gut beim Herumstochern im Mulm beobachten kann. Abgestorbene, stehengebliebene (Obst-) Baumstämme werden gerne von Kleibern und Spechten auf

Nahrungssuche besucht und können wertvolle Nistmöglichkeiten in Astlöchern bieten.

 

Es gibt viele verschiedene Arten und Formen von Totholz

Totholz umfasst nicht nur Asthaufen oder -wälle, sondern auch liegende oder stehende Baumstämme, Holzstapel, alte unbehandelte Balken aus Abbrüchen, Baumstümpfe, Wurzeln usw. Je nach Lage - ob sie im Schatten, unter der Hecke, in der Sonne, in Wiesen oder an und in Gewässern liegen - stellen sich andere Besucher ein. Besonders Astschnitt lässt sich im Garten auf vielfältige, auch dekorative Weise gut einbauen. Zum Beispiel als natürlicher Sichtschutz. Und Gartenbesitzer sparen sich den mühsamen Gang zum Grüngutcontainer. Große Totholzwälle werden auch gerne als Nistmöglichkeit, z.B. vom Zaunkönig angenommen. Zudem kann immer wieder neues Material aufgeschichtet werden, denn die Haufen setzen sich im Zuge des Abbauprozesses.

 

Einfach mal liegen lassen!

Besonders wichtig ist es, das Totholz über viele Jahre hinweg liegen zu lassen, damit die natürlichen Zersetzungsprozesse in allen Stadien, bis hin zur Mulm- und Humusbildung ablaufen können. Denn gerade die Stadien des Zerfalls sind für die Bewohner von allergrößtem Wert. Ein Brennholzstapel ist deshalb noch kein Totholzhaufen, da er nach einer gewissen Zeit abgetragen und verbrannt wird - und leider auch mit ihm alle darin wohnenden Larven.  Ein Reisighaufen, der nur über den Winter liegen bleibt, ist zwar gut als Winterquartier für den Igel geeignet, lässt aber nicht ansatzweise die Vielfalt eines „echten" Totholzlebensraumes zu. Wie so oft im Garten gilt daher auch hier: Weniger „Ordnung"

bedeutet mehr Leben.

 

GEFAHR DURCH FEUER

Nicht nur in Brennholzstapeln, sondern besonders bei lange Zeit im Voraus aufgeschichteten Oster- oder Sonnwendfeuern kommen jedes Jahr unzählige Tiere, wie z.B. schlafende Igel oder Erdkröten, zu Tode, die sich im Holz angesiedelt haben. Daher immer direkt vor dem Entfachen des Feuers am besten noch einmal den gesamten Stapel umschichten oder ganz frisch aufsetzen und den Tieren so eine Fluchtmöglichkeit geben.


Leben im Steingarten

Sogenannte Steingärten sind in Mode, allerdings gleichen sie oft Wüsten aus Kies. Doch können -wie an diesen Beispielen zu sehen- aus heimischen Baustoffen in Steingärten attraktive Lebensräume -echte Hotspots des Lebens- für zahlreiche Insekten und Kleintiere entstehen.

Granitsplit, weit angereist aus dem fernen Asien, bedeckt eine schwarze, undurchdringliche Mulchfolie. Aus aller Welt werden Steine importiert, in Gabionen abgefüllt, als Zierkies nach Farben sortiert und in Gärten geschüttet. Dazu thront ein bizarr geformter Findling aus Brasilien obenauf, flankiert von chinesischem Bambus, einem Kirschlorbeer oder einem einsamen Buchsbaum. So sehen heute viele Vorgärten aus. Das ganze Jahr der gleiche Anblick: immergrün, sauber, pflegeleicht – und eine lebensfeindliche Wüste.

 

Wertvoller Lebensraum für Hungerkünstler

Dabei kann ein Steingarten so viel mehr sein, nämlich Lebensraum für hoch spezialisierte, oft alpine Pflanzen, die mit minimalen Ressourcen herrliche Blütenfülle hervorbringen. Insektenmagneten wie Glockenblumen, Nelken, Steinbreche und Sedumpflanzen in vielen Arten und Sorten sind ebenso wie die vielen trockenheitsliebenden (Zier-)Laucharten, um nur einige zu nennen, für den Gärtner eine wahre Augenweide. Gepflanzt werden sie in sehr magere mineralische Substrate, wie z. B. Mineralschotter oder Split, angereichert nur mit etwas Sand, Lehm und kleinen Mengen Kompost. Dies entspricht am ehesten ihren Lebensumständen am Wildstandort, wo sie mitunter auf magersten Kalkböden, blankem Fels oder Geröllhalden wachsen können.

Trockenmauern und Steingärten bieten jedoch nicht nur für unsere Steingartenpflanzen einen idealen Lebensraum. Allerlei nützliche Tiere fühlen sich hier wohl, etwa Zauneidechsen oder Käfer, welche die wärmespeichernden Steine schätzen und in tiefen Ritzen ideale Versteckmöglichkeiten finden. Hanggrundstücke oder Böschungen lassen sich mit Natursteinmauern ideal terrassieren und befestigen. Dazu sind jedoch nicht teure, aus aller Welt unter großem Energieaufwand importierte Steine nötig, welche der Fachhandel in großer Auswahl anpreist.

 

Regionale Baustoffe

Recycling und Regionalität sind auch hier hervorragend umsetzbar, sparen Geld und Ressourcen. Gibt es in Ihrer Nähe einen Steinbruch? Dann passt das dort gewonnene Material sicher auch gut zu Ihrem Garten und der heimischen Vegetation. Oder wird in der Nähe ein altes Haus oder ein historischer Keller abgerissen? Hier kann man manchmal wahre Schätze finden. Oft sind die Besitzer froh, die Entsorgungskosten zu sparen. Abbruchmaterial muss jedoch genau kontrolliert werden, damit keine neuzeitlichen Schadstoffe wie Asbestreste enthalten sind. Recyclingschotter kann im Gartenbau ebenfalls sehr gut eingesetzt werden. Auch hier sollte man sich das Material vorher ansehen, damit keine Asphaltreste oder andere unerwünschten Fremdmaterialien enthalten sind. Selbst alte Dachziegel, Betonsteine oder Gehwegplatten lassen sich mit Kreativität und Phantasie zu attraktiven Gartenelementen und Lebensräumen arrangieren. Mit etwas Glück findet man noch alte, gebrannte Tonmauerziegel, die sich vielfältig für Mauern und Wege verwenden lassen. Verwenden Sie regio-nal vorkommendes Material, welches man im Herbst manchmal direkt von Landwirten ab Feld bekommen kann. Je nach Wohnort können dies unterschiedlichste Gesteine sein. Die Vielfalt ist groß, zum Beispiel Sandsteine, Jurakalk oder Konglomeratgestein. Steinhaufen aus der Natur sind aber tabu, hier könnten bereits wertvolle Lebensräume entstanden sein.

 

Angepasste Pflanzenauswahl

Um erfolgreich zu sein, müssen Sie jedoch auf die Zusammensetzung der Steine bei der Pflanzenauswahl Rücksicht nehmen. So gibt es viele kalkliebende, aber auch kalkmeidende Arten. Lassen Sie sich daher beim Pflanzenkauf von einem kompetenten Staudengärtner beraten oder informieren Sie sich im Internet. Viele heimische Pflanzen lieben magere, sonnige Standorte. Orangerotes Habichtkraut oder Gemeiner Natternkopf, Heidenelke oder Edelgamander und die verschiedenen Königskerzen wachsen hier ausgezeichnet und bereichern jeden Garten als attraktive Blütenpflanzen und Insektenweiden. Zwiebelblüher sorgen für eine üppige Frühjahrs-, Bergastern für die Herbstblüte, Silberdistel oder Enzian setzen alpine Akzente. Mediterrane Kräuter wie Thymian und Lavendel bilden im Steingarten übrigens ein vielfach besseres Aroma aus als in normalen Gartenbeeten und bleiben dazu meist kompakter im Wuchs.

Es gibt also viele Argumente für einen echten Steingarten voller Leben, anstatt einer toten Wüste aus Kies und Stein.


Die schönen Wilden - heimische Wildpflanzen im Garten

Mit der Verwendung heimischer Blühpflanzen kann jeder Gartenbesitzer ein wenig zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen.

„Was ist denn das für eine schöne Blume, die hab ich ja noch nie gesehen?“ Diese Reaktion ernte ich immer, wenn Besucher bei meinen frühsommerlichen Gartenführungen vor dem Beet mit Kornraden stehen. Die Kornrade – wegen ihrer giftigen Samen, die das Getreide verunreinigten in der Kulturlandschaft chemisch „ausgemerzt“ und vom Aussterben bedroht – zieht mit ihren filigranen, magenta-weiß gezeichneten Trichterblüten immer wieder in ihren Bann.

 

Überbordende Vielfalt gegen standardisiertes Einheitsgrün

 Der „Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands“ portraitiert rund 3.000 heimische Pflanzen. Angenommen, dass auch nur 10% davon unseren gärtnerischen Ansprüchen bezüglich Pflege und Ästhetik entsprechen, bleiben immer noch 300 Arten übrig, die unsere Gärten ungemein bereichern können. Bei geschätzten rund 30 Tierarten, die von jeder dieser Pflanzen in irgendeiner Weise, sei es als Raupenfutterpflanze, Pollenspender, Nistraum o.ä. profitieren, können Gärtner damit einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität leisten.

Dem gegenüber steht das Standardsortiment von vielleicht 60 Arten von Baumärkten, Discountern und Gärtnereien, die glauben „der Kunde“ wünscht sich nichts sehnlicher als Geranien, Eisbegonien und Kapmargeriten. Diese lassen sich wunderbar verkaufen – nämlich jedes Jahr aufs Neue. Die vom Dünger aufgeblähte, meist in Torfsubstat kultivierte, bunte Biomasse ist als schnell konsumierbare Wegwerfware konzipiert.

 Wildpflanzen dagegen haben einen ganz eigenen Charme. Als Beispiel sei hier die Formenvielfalt der Wildnelken – von den Karthäuser-, Sandgras und Pechnelken in der Magerwiese über die genügsame Felsennelke im Steingarten, die feuchtigkeitsliebende Kuckuckslichtnelke am Teichrand bis hin zur unübersehbar bis Oktober blühenden, hoch aufgerichteten Kronlichtnelke – genannt.

 

Natur und Gärtner profitieren

Für Insekten decken Wildblumen den Tisch besonders reich. Manche davon stehen in enger Beziehung mit Spezialisten, die schon an ihrem Namen erkennbar sind- z. B. Glänzende Natternkopf-Mauerbiene oder Glockenblumen-Scherenbiene. Diese sind auf stabile Bestände eben dieser Wirtspflanzen angewiesen - verschwinden diese, so auch die Biene.

Weitere Pluspunkte für die Wilden im Garten: Sie sind extrem „dankbar“- was nichts anderes bedeutet als: die richtige Pflanze am richtigen Ort wächst problemlos. Zudem kann man mit einer Selbstaussaat rechnen.

Wildpflanzen überstehen auch längere Trockenperioden sehr gut. Zwar kommt es auch hier zu sichtbaren Trockenschäden, dafür treiben die Pflanzen aber beim nächsten Regen schnell wieder nach.

 

Ansaat oder Pflanzung

 Bei der Verwendung von heimischen Wildpflanzen hat man die Wahl zwischen der Aussaat auf eine gut vorbereitete, unkrautfreie Fläche mit in der Regel möglichst magerem Substrat (die schönsten Blüten haben die Arten der Magerstandorte), oder einer Pflanzung vorgezogener Setzlinge.

Bei der Aussaat von Zweijährigen, wie z.B. Königskerzen, Natternkopf oder Fingerhüten hat sich eine Einsaat mit Initialpflanzung bewährt: so blüht im ersten Jahr die gepflanzte Generation und samt sich aus, im zweiten Jahr blüht die Ansaat. Oder man entscheidet sich für eine Saatmischung aus ein- und mehrjährigen Arten. Dann werden die Einjährigen (z.B. Mohn, Kornblume,...) nach und nach von den Zwei- und Mehrjährigen (z.B. Natternkopf, Färberkamille...) abgelöst.

 

Woher kommen die Pflanzen und das Saatgut?

 Wildpflanzen dürfen nicht der Natur entnommen werden! Saatgut kann man aber bei Spaziergängen sammeln, wobei es sich von selbst versteht, dass man nicht ganze Bestände aberntet, sondern nur einige reife Samen oder Samenkapseln mitnimmt. Auch Saatgutbörsen oder der Internetversand sind eine gute Möglichkeit.

Pflanzen werden in großer Auswahl von Spezialgärtnereien kultiviert, oft in Bioqualität (auch hier ist das Internet sehr hilfreich).

 

Aber Vorsicht - sind Sie einmal dem Charme der schönen Wilden erlegen, gibt es kein Zurück mehr. Und dann sieht man die Kornrade vielleicht auch bald in ihrem Garten....


Wasser - Keimzelle des Lebens

Wohl kaum ein Lebensraum im Garten bringt so viel Artenvielfalt und Leben in den Garten, wie ein Bachlauf oder Teich. Dabei kommt es gar nicht einmal so sehr auf die Größe an.

Das Leben tobt im Teich - vorausgesetzt man verzichtet auf Fische. Diese fressen sonst all die Kleinlebewesen, den Amphibienlaich und alles Lebendige auf, bevor es sich entwickeln kann und überdüngen das Wasser mit ihren nährstoffreichen Ausscheidungen.

 

Schon ein kleiner Tümpel kann zum Treffpunkt für zahlreiche Insekten, Ambhibien und weitere Besucher werden.  Doch auch ein Sumpfbeet oder –Graben, z.B. am Dachrinnen-Auslauf kann zu einem Zentrum des Lebens im Garten werden.

Bei Bachläufen sollte die Fließgeschwindigkeit nicht zu hoch sein und einige vertiefte Bereiche, auch bei abgeschalteter Pumpe- immer geflutet sein. Es macht übrigens nichts, wenn das Gewässer im Winter durchfriert - es sei denn man möchte großblütige Seerosen kultivieren.

 

Für die Bepflanzung über und unter Wasser, sowie in den verschiedenen Uferbereichen gibt es eine Vielzahl sehr attraktiver heimischer Pflanzen. Sicher nicht fehlen sollten Arten wie die früh blühende Sumpfdotterblume, Blutweiderich und Wasserdost (letztere sind Insekten- und Schmetterlingsmagneten). Aber auch Schwanenblume, Froschlöffel, Fieberklee und Wasserminze sind sehr attraktiv. Unter Wasser sorgen Ähriges Tausendblatt, Krauses Laichkrau oder das Gemeine Hornblatt für die natürliche Reinigung des Wassers. Am feuchten Ufer fühlen sich u.a. sibirische Schwertlilie  oder Mädesüß wohl.

 

Bald nach dem Befüllen eines Feuchtbiotopes werden sich die ersten Besucher einstellen: Libellenlarven, Schwimmkäfer  und Ruderwanzen sorgen schnell für die Beseitigung der gefürchteten Stechmückenlarven. Frösche und Molche kommen wie von Zauberhand in den Garten und die Vögel freuen sich über flache Uferbereiche zum Baden und Trinken.

Wer den Prozess unterstützen möchte, „impft“ den Teich mit einem oder zwei großen Eimern Wasser und Schlamm aus einem Naturteich (das  Fangen und Aussetzen von Amphibien ist übrigens aus gutem Grund verboten).

Ein abwechslungsreicher Uferbereich z.B. mit Totholz und Steinen bietet den Amphibien Rückzugsmöglichkeiten.

 

Flache Ufer tragen zu einem natürlichen Bild entscheidend bei und bewahren Gartenbewohner wie den Igel vor dem Ertrinken.


Disteln - wehrhafte Bereicherung im Garten

 Disteln und anderes "Unkraut" sind nicht nur wunderschön, sondern auch beliebt bei vielen Vögeln.

 

 

Viele unserer heimischen Wildstauden machen nicht nur im Sommer eine gute Figur und ziehen Insekten nahezu magisch an. Im Winter sind sie mit ihren Samen ein wichtiger Bestandteil der Speisekarte unserer überwinternden Vögel. Der Stieglitz bevorzugt die besonders öl- und damit energiehaltigen Samen der Disteln. Die meist zwei- bis mehrjährigen Pflanzen mit den attraktiven Blütenköpfen eignen sich besonders für warme, sonnige und nährstoffarme Böden. Sie bilden imposante Blickfänge und sind sind gute Struktur- und Leitstauden. Es empfiehlt sich, Jungpflanzen zu setzen, danach samen sie sich bereitwillig aus, blühen aber erst im zweiten Jahr.

 

Disteln sind nicht nur Bienen- und Schmetterlingsmagneten, sondern können auch mit robustem, gesundem Wuchs aufwarten. Doch hier liegt auch die Krux: Viele Gärtner scheuen die immense Vitalität und Vermehrungsfreudigkeit der stacheligen Schönheiten. Daher sollte man ihnen am besten einen eigenen, begrenzten Bereich zuweisen, in dem sie sich ausbreiten dürfen. Drumherum wird möglichst bereits beim ersten Aufkeimen gejätet. Dann kann man noch ohne größere Mühe und Blessuren die Wurzeln entfernen. Disteln wie die Wollköpfige Kratzdistel, Mariendistel, Purpurkratzdistel, Nickende Distel, Kugeldistel und Mannstreu sind die wohl attraktivsten Vertreter der Sippe. Im Steingarten besonders attraktiv sind Gold- und Silberdisteln.

 

Etwas moderater bewehrt kommt die Wilde Karde daher, geizt aber dafür nicht mit Nektar - und ist eine der absoluten Lieblingspflanzen des Stieglitz, der oft in großen Trupps an den ausgereiften Samenständen zu Besuch kommt. Diese müssen dafür natürlich auch stehenbleiben. Abgeräumt wird im naturnahen Garten ohnehin erst im Frühjahr. Bis dahin dürfen auch die dekorativen Samenstände von Purpursonnenhut, Berg-Flockenblume, Gemeiner Schafgarbe, Wasserdost, Alant, Sonnenblume, Schmuckkörbchen, allen ungefüllten Astern, Ringelblume (überhaupt alle Korbblütler sind beliebt), gemeiner Nachtkerze, Mädesüß und allen (Zier-)gräsern den Garten im Winter bereichern. Viele Gartenkräuter, wie beispielsweise Salbei, Lavendel und Borretsch, aber auch Blüten von Salat oder Rhabarber werden ebenfalls gerne vom Stieglitz genommen. Bis zum Winter dürften sie aber ebenso wie die einjährigen Mohn-, Flocken-, und Witwenblumen schon längst von ihm und den anderen samenliebenden Gartenvögeln abgeerntet sein.

 

In der "wilden Ecke" des Gartens können Beifuß, alle Kletten, Echte Goldrute, Ampfer und die große Brennessel ebenso zusätzliches Futter bieten, wie Samen und Beeren heimischer Sträucher und Bäume. Die Bandbreite ist also groß, und gerade die „Unkräuter" stehen auf der Nahrungsliste vieler Vögel weit oben. Wieder einmal hilft „Nichtstun" am meisten. Nicht alles abmähen.

 

Nicht alle Stauden abschneiden und nicht „noch schnell vor dem Winter Unkraut jäten" tut nicht nur dem Sieglitz, sondern auch allen anderen Gartenbewohnern und -besuchern gut.

 

 

Natur.Garten.Helbig

Hortus Contemplationis et Diversitas

Birgit Helbig

Planungen für naturnahes Grün

Freie Referentin und Autorin für Natur im Garten

Dipl.-Designerin (FH)

 

Dorfanger 14

Dürrenmungenau

91183 Abenberg

 

E-Mail: birgit.helbig@yahoo.de

 

Tel. 09873-760

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